Zum Inhalt springen
Unabhängiges Ratgeber-Magazin · betrieben von OÜ Hevsol, Estland · Impressum Wir verkaufen keine Heizungen und erhalten keine Provisionen
natrashka
Technik · 6 min · 19.08.2026

Was ein Feldtest in 77 Bestandshäusern über Wärmepumpen im Altbau zeigt

Vier Jahre Messdaten, Häuser aus mehreren Jahrzehnten: Das Fraunhofer ISE fand keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz. Was die Zahlen bedeuten – und was nicht.

Symbolbild: Backstein-Einfamilienhaus aus den 1960er-Jahren mit Wärmepumpen-Außeneinheit
Symbolbild (KI-generiert)

Datenblätter beschreiben, was eine Wärmepumpe unter Prüfbedingungen leistet. Wie viel Strom sie im Alltag braucht, hängt von Gebäude, Heizkörpern, Einstellung und Wetter ab. Deshalb sind Feldtests aufschlussreich, die Anlagen über Jahre vermessen.

Im November 2025 hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE die Ergebnisse des Projekts „WP-QS im Bestand“ vorgestellt – kurz für Wärmepumpen-Qualitätssicherung im Bestand. Die Kernaussage des Instituts: Wärmepumpen können auch in älteren Häusern effizient arbeiten, ohne dass diese auf Neubaustandard saniert sein müssen. Wir zeigen, was gemessen wurde, was die Zahlen aussagen und wo ihre Grenzen liegen.

Wie die Studie aufgebaut war

Die Forschenden haben laut Presseinformation vier Jahre lang detaillierte Messungen an 77 Wärmepumpen in Ein- bis Dreifamilienhäusern vorgenommen. Gefördert wurde das Projekt vom damaligen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. Die wichtigsten Eckdaten:

  • Anlagen: 61 Luft-Wasser-Wärmepumpen und 16 Sole/Wasser-Wärmepumpen, die das Erdreich als Wärmequelle nutzen. 34 Anlagen stammen aus dem 2019 abgeschlossenen Vorgängerprojekt „WPsmart im Bestand“, 43 kamen neu hinzu.
  • Gebäude: In die Effizienzbewertung gingen Häuser mit Baujahren von 1826 bis 2001 ein. Die beheizte Fläche lag zwischen 90 und 370 Quadratmetern, im Mittel bei 170 Quadratmetern.
  • Heizflächen: Laut Schlussbericht hatten jeweils rund 25 % der Häuser nur Heizkörper beziehungsweise nur Fußbodenheizung, etwa die Hälfte eine Kombination aus beidem.
  • Messung: Alle Anlagen waren mit Wärmemengen- und Stromzählern ausgestattet, die Werte wurden alle 30 Sekunden gespeichert. Hauptauswertungszeitraum war das Jahr 2024.

Die Ergebnisse in Zahlen

Zentrale Kennzahl ist die Jahresarbeitszahl (JAZ): das Verhältnis aus abgegebener Wärme und eingesetztem Strom über ein Jahr. Eine JAZ von 3,4 bedeutet, dass aus einer Kilowattstunde Strom im Mittel 3,4 Kilowattstunden Wärme werden. Nach Einschätzung des ADAC arbeiten elektrische Wärmepumpen ab einer JAZ von 3 wirtschaftlich und sparen in der Gesamtbilanz CO2 ein.

Tabelle 1 / Die wichtigsten Messwerte77 Anlagen, Fraunhofer ISE
KennzahlErgebnisEinordnung
JAZ Luft-Wasser, Mittelwert3,4Vorgängerprojekt: 3,1
JAZ Luft-Wasser, Spanne2,6 bis 4,9gleiche Technik, sehr unterschiedliche Ergebnisse
JAZ Erdreich, Mittelwert4,3Vorgängerprojekt: 4,1
JAZ Erdreich, Spanne3,6 bis 5,416 Anlagen
Anteil Heizstab am Strom (Luft-Wasser)1,3 %bei Erdreich nahe null; milde Witterung im Messzeitraum
Anteil Warmwasser an der Wärme19 %81 % entfielen auf die Raumheizung
CO2-Emissionen gegenüber Gasheizung–64 %Strommix 2024, zeitlich variable Berechnung; statisch: –68 %
Autarkie mit Photovoltaik und Batterie32 bis 62 %6 Anlagen; ohne Batterie 25 bis 40 %
Zusammenhang Baujahr und Effizienznicht feststellbarähnliche Heizkreistemperaturen in allen Baualtersklassen

Durchschnitts- und Messwerte laut Fraunhofer ISE (Presseinformation vom 03.11.2025 und Schlussbericht „WP-QS im Bestand“). Eigenverbrauch des Solarstroms mit Batterie laut Schlussbericht 40 bis 83 %, ohne Batterie 22 bis 37 %.

Bemerkenswert ist neben den Mittelwerten die Streuung. Die schwächste Luft-Wasser-Wärmepumpe kam auf eine JAZ von 2,6, die beste auf 4,9 – bei derselben Bauart. Der elektrische Heizstab spielte kaum eine Rolle, was das Fraunhofer ISE auch auf milde Winter zurückführt. Einzelne Ausreißer mit hohem Heizstabanteil gingen laut Schlussbericht auf Gerätestörungen oder Fehler in der Parametrierung zurück.

Warum das Baujahr keine Rolle spielte

Warum sich kein Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz zeigte, erklärt der Schlussbericht: Unter den untersuchten Einflussgrößen korrelierte die Effizienz nur mit den Heizkreistemperaturen. Und weil in allen Baualtersklassen sehr ähnliche Temperaturen zur Raumheizung gemessen wurden, gab es auch keinen Zusammenhang mit dem Alter der Häuser. Ausreichend dimensionierte Heizkörper liefen im Mittel ähnlich kühl wie Flächenheizungen.

Wichtig für die Einordnung: Die vor 1977, also vor der ersten Wärmeschutzverordnung, gebauten Häuser im Projekt waren etwas umfangreicher saniert als der Durchschnitt. Bei 51 % war die Fassade nachträglich gedämmt, bundesweit waren es laut Fraunhofer ISE (Stand 2016) nur 30 %. Die Studie zeigt also nicht, dass ein Haus in jedem Zustand gleich gut geeignet ist. Sie zeigt, dass die benötigte Vorlauftemperatur mehr aussagt als das Baujahr. Wie Sie diese mit Ihrer jetzigen Heizung eingrenzen, beschreiben wir im Beitrag zum Heizkörper-Test an kalten Tagen.

Was gut laufende Anlagen von schwächeren unterscheidet

Das Forschungsteam hat die Mängel, die es entlang von Planung, Installation und Inbetriebnahme gefunden hat, im Abschlussbericht in einer Prozessmatrix zusammengefasst. Die wichtigsten Punkte:

  • Überdimensionierung: Viele Wärmepumpen waren gemessen am Verbrauch zu groß. Laut Schlussbericht verfügte die Mehrheit der Anlagen bei –7 °C noch über eine deutliche Leistungsreserve.
  • Häufiges Takten: Bei einigen Anlagen lag die Zahl der Schaltvorgänge im sehr hohen Bereich. Bei den Luft-Wasser-Wärmepumpen reichte die Spanne von 550 bis 15.800 Verdichterstarts pro Jahr.
  • Speicher: Bei einem Teil der Anlagen mit Kombispeicher wurden Raumheizung und Warmwasser nicht zuverlässig auf getrennten Temperaturniveaus versorgt, sodass unnötig hohe Temperaturen bereitgestellt wurden.
  • Einstellung: Heizkurve und weitere Parameter sorgfältig einzustellen, bezeichnet der Bericht als wichtig. Betreiber sollten zudem in Bedienung und Fehlererkennung ihrer Anlage eingewiesen werden.

Was die Studie nicht zeigt

Auf jedes Haus übertragen lassen sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres:

  • Keine Zufallsauswahl: 58 der 77 Anlagen wurden laut Schlussbericht von den neun beteiligten Wärmepumpenherstellern in das Messprogramm eingebracht, 19 vom Fraunhofer ISE. Einen Anspruch auf Repräsentativkeit erhebt der Bericht nicht.
  • Witterung: Den geringen Heizstabanteil bringt das Fraunhofer ISE selbst mit den milden Wintern in Verbindung. Wie die Werte in einem strengen Winter ausfallen würden, bleibt offen.
  • Gebäudetyp: Untersucht wurden Ein- bis Dreifamilienhäuser, keine größeren Mehrfamilienhäuser.
  • Mittelwerte: Eine durchschnittliche JAZ von 3,4 sagt nichts darüber, wo Ihre Anlage in der Spanne von 2,6 bis 4,9 landen würde.

Was die Unterschiede in Euro bedeuten

Um die Spannweite greifbar zu machen, haben wir die gemessenen Arbeitszahlen auf einen Modellhaushalt mit 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr übertragen. Der Strombedarf ergibt sich aus Wärmebedarf geteilt durch JAZ.

Tabelle 2 / Stromkosten bei unterschiedlicher EffizienzModellrechnung, 20.000 kWh Wärme pro Jahr
JAZ (Fraunhofer-Messwert)StrombedarfKosten bei 20,7 ct/kWhKosten bei 26 ct/kWh
2,6 (schwächste Luft-Wasser-Anlage)7.692 kWh1.592 €2.000 €
3,4 (Mittel Luft-Wasser)5.882 kWh1.218 €1.529 €
4,3 (Mittel Erdreich)4.651 kWh963 €1.209 €
4,9 (beste Luft-Wasser-Anlage)4.082 kWh845 €1.061 €

Modellrechnung. Annahmen: 20.000 kWh Wärme pro Jahr für Heizung und Warmwasser; Strombedarf = Wärme geteilt durch JAZ. 20,7 ct/kWh: günstigster Neukundentarif für Wärmepumpenstrom bei 7.500 kWh laut Verivox-Daten (energiefluss24, Stand Juli 2026). 26 ct/kWh: gerundete Annahme in der Größenordnung, die sich rechnerisch aus der Verivox-Analyse vom Juli 2025 inklusive Grundpreis ergibt. Grundpreise und Zählerkosten sind nicht gesondert berücksichtigt. JAZ-Werte: Fraunhofer ISE.

Zwischen dem Mittelwert der Luft-Wasser-Anlagen und dem der Erdreich-Anlagen liegen im Modell rund 1.230 kWh Strom, das sind 255 bis 320 € im Jahr. Zwischen der schwächsten und der besten Luft-Wasser-Anlage sind es 3.610 kWh oder 747 bis 939 €. Die Erdwärmepumpe ist allerdings teurer in der Anschaffung; wann sich das rechnet, erklären wir im Beitrag Luft, Erde oder Grundwasser.

Zum Vergleich: Verivox bezifferte im Juli 2025 die Heizkosten eines Einfamilienhauses mit 20.000 kWh Gasverbrauch auf 2.262 € im Jahr, mit einer Wärmepumpe mit JAZ 4 auf 1.337 € und mit JAZ 2,7 auf 1.978 €. Mehr dazu im Beitrag zu den monatlichen Heizkosten mit Wärmepumpe.

Einordnung

Der Feldtest des Fraunhofer ISE widerlegt die pauschale Annahme, eine Wärmepumpe tauge im Altbau grundsätzlich nicht. Die gemessenen Mittelwerte liegen über der JAZ von 3, die der ADAC als Schwelle für einen wirtschaftlichen Betrieb nennt, und die Anlagen verursachten deutlich weniger CO2 als Gasheizungen. Ein Freibrief für jedes Haus ist das nicht: Die Stichprobe ist klein und nicht zufällig, die älteren Häuser waren überdurchschnittlich saniert, die Winter mild.

Eine zentrale Lehre steckt in der Spanne von 2,6 bis 4,9: Planung, Dimensionierung und Einstellung entscheiden über die Effizienz mit. Wer eine Wärmepumpe erwägt, sollte deshalb vorab die benötigte Vorlauftemperatur kennen und nach dem Einbau prüfen können, ob die Anlage hält, was die Planung verspricht.

quellenabgerufen 19.08.2026

  1. Fraunhofer ISE – Wärmepumpen heizen auch im Altbau klimafreundlich (Presseinformation, 03.11.2025)
  2. Fraunhofer ISE – Abschlussbericht des Projekts WP-QS im Bestand
  3. Fraunhofer ISE – Projektseite HP-QA in Existing Buildings (WP-QS im Bestand)
  4. Bundesverband Wärmepumpe – Fraunhofer ISE: Wärmepumpen auch im Altbau effizient und klimafreundlich
  5. Verivox – Analyse: Wärmepumpe heizt 41 Prozent günstiger als Gasheizung (21.07.2025)
  6. energiefluss24 – Wärmepumpenstrom: Preisentwicklung
  7. ADAC – Wärmepumpe: Funktion, Kosten, Förderung

Alle Beträge in diesem Artikel sind Modellrechnungen oder Durchschnittswerte aus den genannten Quellen und keine Zusage für Ihren Einzelfall. Förderbedingungen können sich ändern; maßgeblich sind die zum Zeitpunkt Ihres Antrags gültigen Merkblätter der KfW. Dieser Artikel ersetzt keine Energie-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Zuletzt geprüft 19.08.2026Keine Energieberatung im Sinne des GEG