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natrashka
Technik · 6 min · 24.07.2026

Luft, Erde oder Grundwasser – welche Wärmepumpe zum eigenen Grundstück passt

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe ist am günstigsten zu installieren, die Erdwärmepumpe am effizientesten. Wann sich die Bohrung lohnt und welche Genehmigungen nötig sind.

Symbolbild: Bohrgerät für eine Erdwärmesonde im Garten eines Einfamilienhauses
Symbolbild (KI-generiert)

Eine Wärmepumpe kann ihre Wärme aus der Außenluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser beziehen. Im Markt ist die Sache eindeutig: Laut Bundesverband Wärmepumpe (BWP) war 2025 die große Mehrheit der verkauften Heizungswärmepumpen Luft-Wasser-Geräte. Welche Quelle zum eigenen Grundstück passt, hängt dennoch von Platz, Untergrund, Behörden und davon ab, wie lange Sie im Haus bleiben wollen.

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe kommt ohne Bohrung aus

Ein Außengerät entzieht der angesaugten Luft Wärme. Die Verbraucherzentrale beschreibt diese Geräte als vergleichsweise günstig und fast überall umsetzbar. Der ADAC nennt für das Gerät ca. 8.000 bis 16.000 €, dazu kommen je nach Anlage ca. 7.000 bis 15.000 € für Installation und Material.

Der Nachteil liegt in der Physik: Die Außenluft ist gerade dann am kältesten, wenn das Haus am meisten Wärme braucht. Im mehrjährigen Feldtest des Fraunhofer ISE in 77 Bestandsgebäuden erreichten Luft-Wasser-Wärmepumpen im Mittel eine Jahresarbeitszahl (JAZ) von 3,4.

Eine wasserrechtliche Genehmigung braucht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe nicht. Zu beachten sind aber das Bauordnungsrecht des Landes und der Lärmschutz, denn das Außengerät ist hörbar. Wie sich der Aufstellort auf die Lautstärke am Nachbarfenster auswirkt, erklärt unser Beitrag zur Lautstärke von Wärmepumpen.

Erdsonden holen viel Wärme aus wenig Fläche

Bei der Sole-Wasser-Wärmepumpe nimmt eine frostgeschützte Flüssigkeit in Rohren im Boden Wärme auf. Am häufigsten sind senkrechte Erdsonden, die laut Verbraucherzentrale bis zu 100 Meter tief reichen. Als grobe Orientierung nennt sie ca. 20 Meter Sonde pro Kilowatt Heizleistung. Ein Haus mit 8 kW Heizlast käme demnach auf rund 160 Meter, verteilt auf eine oder mehrere Bohrungen.

Weil die Temperatur im Untergrund übers Jahr relativ gleichmäßig ist, arbeiten erdgekoppelte Anlagen effizienter: Im Fraunhofer-Feldtest lag ihre JAZ im Mittel bei 4,3. Dafür kostet die Bohrung laut ADAC ca. 8.000 bis 16.000 € zusätzlich, und auch das Gerät selbst liegt mit ca. 10.000 bis 18.000 € etwas höher als ein Luft-Wasser-Gerät.

Welche Genehmigungen nötig sind

Weil Erdsonden in das Grundwasser eingreifen können, brauchen sie eine Genehmigung nach Wasserrecht. In Nordrhein-Westfalen ist laut Geologischem Dienst eine wasserrechtliche Erlaubnis der Unteren Wasserbehörde nötig, wenn die Erdwärme auf demselben Grundstück gewonnen und genutzt wird. Bohrungen, die tiefer als 100 Meter reichen, müssen vorab der Bergbehörde angezeigt werden.

Die Verfahren unterscheiden sich von Land zu Land. Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie etwa bewertet die Eignung von Standorten aus Sicht des Grundwasserschutzes und berücksichtigt dabei Wasserschutzgebiete, artesisch gespanntes Grundwasser, verkarsteten Untergrund sowie Mineralwasservorkommen. Bohrungen sind deshalb nicht überall erlaubt; mehrere geologische Landesdienste bieten Online-Karten für eine erste Einschätzung.

Flächenkollektoren brauchen vor allem Platz

Statt in die Tiefe zu bohren, lassen sich Rohrschlangen flach im Garten verlegen. Der Geologische Dienst NRW nennt eine typische Tiefe von 1,00 bis 1,50 Metern, etwa 30 cm unter der örtlichen Frostgrenze. Der ADAC beziffert die Verlegung auf 3.000 bis 10.000 €.

Der Haken ist der Platz. Der Geologische Dienst NRW rechnet mit etwa der doppelten zu beheizenden Wohnfläche, die Verbraucherzentrale mit rund 40 Quadratmetern pro Kilowatt Heizleistung. Bei 8 kW wären das ca. 320 Quadratmeter. Die Fläche darf nicht überbaut werden, weil Sonne und Regen den Boden wieder erwärmen müssen. Auf kleinen Grundstücken ist diese Variante deshalb oft nicht umsetzbar.

Grundwasser ist effizient, aber an Bedingungen geknüpft

Die Wasser-Wasser-Wärmepumpe nutzt Grundwasser direkt. Dafür sind zwei Brunnen nötig: einer zur Förderung, einer, über den das abgekühlte Wasser zurückgeführt wird. Laut Geologischem Dienst NRW liegen sie in der Regel 10 bis 15 Meter auseinander. Weil Grundwasser übers Jahr eine relativ gleichmäßige Temperatur hat, arbeiten diese Anlagen vergleichsweise effizient; der ADAC nennt für Erd- und Wasser-Wärmepumpen typische Jahresarbeitszahlen von 4 bis 5. Das Gerät kostet laut ADAC ca. 10.000 bis 20.000 €, die Brunnenkosten hängen stark vom Standort ab.

Die Nutzung braucht eine wasserrechtliche Erlaubnis, und es muss ausreichend Wasser in geeigneter Qualität vorhanden sein. Enthält das Wasser zu viel Eisen oder Mangan, setzen sich laut Verbraucherzentrale die Filter zu; der Geologische Dienst NRW nennt außerdem Ablagerungen am Wärmetauscher und Korrosion. Sinkt der Grundwasserspiegel, kann die Anlage zudem ausfallen. Eine Wasseranalyse und eine Einschätzung der Grundwasserverhältnisse gehören deshalb vor jede Entscheidung.

Tabelle 1 / Die drei Wärmequellen im VergleichEinfamilienhaus, Richtwerte
MerkmalLuft-WasserErdsondenFlächenkollektorGrundwasser
Gerät8.000–16.000 €10.000–18.000 €10.000–18.000 €10.000–20.000 €
Erschließung der Quelleentfällt8.000–16.000 €3.000–10.000 €standortabhängig
JAZ im Fraunhofer-Feldtest3,44,3 (erdgekoppelte Anlagen)nicht ausgewiesen
Typische JAZ laut ADAC3–44–54–54–5
PlatzbedarfStellfläche Außengerätgeringca. 40 m2 je kWzwei Brunnen
Genehmigungkeine wasserrechtlichewasserrechtliche Erlaubnisje nach Landwasserrechtliche Erlaubnis
Geräusch im FreienAußengerät hörbarkein Außengerätkein Außengerätkein Außengerät

Durchschnitts- und Richtwerte, keine Angebotspreise. Installation und Material kommen laut ADAC mit ca. 7.000 bis 15.000 € hinzu. Der Fraunhofer-Feldtest weist erdgekoppelte Anlagen gemeinsam aus. Quellen: ADAC, Fraunhofer ISE (via BWP), Verbraucherzentrale, Geologischer Dienst NRW.

Was die Förderung seit dem 21. Juli ändert

Bis zur Reform der KfW-Heizungsförderung gab es einen Effizienzbonus von 5 Prozent, von dem unter anderem Wärmepumpen mit Erdreich oder Wasser als Wärmequelle oder mit natürlichem Kältemittel profitieren konnten. Dieser Bonus ist seit dem 21. Juli 2026 ersatzlos entfallen. Für alle drei Wärmequellen gelten damit dieselben Fördersätze. Nur Luft-Wasser-Wärmepumpen müssen zusätzlich strengere Schallwerte einhalten.

Wichtiger für den Vergleich ist die Kostengrenze. Der Zuschuss bemisst sich an höchstens 28.000 € förderfähigen Kosten für die erste Wohneinheit, ab Februar 2027 sinkt die Grenze halbjährlich um 750 €. Der ADAC rechnet in einem Beispiel mit 40.000 € Gesamtkosten für Gerät, Installation, neue Heizkörper und Erdsonden-Bohrung. Alles oberhalb der Grenze tragen Sie ohne Zuschuss, in diesem Beispiel also 12.000 €. Kostet schon eine Luft-Wasser-Anlage 28.000 € oder mehr, erhöht eine Bohrung den Zuschuss nicht mehr. Was eine Anlage insgesamt kostet, zeigt unser Beitrag zu den Kosten im Einfamilienhaus.

Rechnet sich die Bohrung über niedrigere Stromkosten?

Die höhere Effizienz spart Strom. Wie viel, zeigt eine vereinfachte Modellrechnung für ein Haus mit 20.000 kWh Wärmebedarf im Jahr, gerechnet mit den mittleren Jahresarbeitszahlen aus dem Fraunhofer-Feldtest.

Tabelle 2 / Modellrechnung Betriebskostenpro Jahr, 20.000 kWh Wärme
PositionLuft-WasserErdsonden
Jahresarbeitszahl3,44,3
Stromverbrauch5.882 kWh4.651 kWh
Stromkosten bei 26 ct/kWh1.529 €1.209 €
Ersparnis pro Jahr320 €
Mehrkosten Sonden-Bohrung laut ADAC8.000–16.000 €
Einfache Amortisation der Bohrung25–50 Jahre

Modellrechnung. Annahmen: 20.000 kWh Wärmebedarf pro Jahr, Strompreis 26 ct/kWh (Annahme in der Größenordnung, die sich aus der Verivox-Analyse vom Juli 2025 inklusive Grundpreis ergibt), JAZ als Mittelwerte des Fraunhofer-Feldtests, gleiche Kosten für Gerät und Installation, ohne Förderung, Preissteigerungen, Zinsen und Kühlfunktion. Stromverbrauch = Wärmebedarf geteilt durch JAZ; Amortisation = Mehrkosten geteilt durch Ersparnis. Quellen: Fraunhofer ISE (via BWP), ADAC.

Über die Stromrechnung allein holt eine Sonden-Bohrung ihre Mehrkosten also nur langsam herein. Ein höherer Strompreis verkürzt die Amortisation, ein günstigerer Tarif, ein geringerer Wärmebedarf oder ein teureres Gerät verlängern sie. Wie sich die Heizkosten gegenüber einer Gasheizung entwickeln, rechnen wir im Beitrag zu den monatlichen Heizkosten durch. Für Ihre eigenen Werte eignet sich der Heizkosten-Rechner.

Wann Erdwärme trotzdem sinnvoll sein kann

Eine reine Amortisationsrechnung erfasst nicht alles. Drei Punkte können für eine erdgekoppelte Anlage sprechen:

  • Hoher Wärmebedarf: Die Ersparnis wächst mit dem Verbrauch.
  • Sommerliche Kühlung: Laut BWP können nur erd- und grundwassergekoppelte Anlagen passiv kühlen. Der Verdichter bleibt dabei aus, Raumwärme fließt über die Flächenheizung in den kühleren Untergrund. Die Leistung ist begrenzt, weil sich an zu kalten Böden Kondenswasser bilden würde.
  • Wenig Platz für ein Außengerät: Ohne Außengerät entfällt die Suche nach einem Standort, der die Lärmschutzwerte sicher einhält.

Wer lange im Haus bleiben will, sollte außerdem fragen, mit welcher Nutzungsdauer der Sonden der Fachbetrieb rechnet.

Einordnung

Für viele Einfamilienhäuser ist die Luft-Wasser-Wärmepumpe die naheliegende Lösung: geringerer Aufwand, keine Bohrung, keine wasserrechtliche Genehmigung. Erdsonden und Grundwasser erreichen höhere Jahresarbeitszahlen, doch die Mehrkosten spielen sich laut Modellrechnung erst in Jahrzehnten ein – zumal der Effizienzbonus weggefallen ist. Interessant bleibt Erdwärme bei hohem Wärmebedarf, bei Wunsch nach passiver Kühlung oder wenn sich für ein Außengerät kein ruhiger Platz findet. Ob gebohrt werden darf, entscheidet die Wasserbehörde, eine erste Einschätzung liefert die Geologie-Karte des Landes; ob es sich lohnt, eine Planung mit Heizlastberechnung, im Zweifel gemeinsam mit einem Energieeffizienz-Experten.

quellenabgerufen 24.07.2026

  1. Bundesverband Wärmepumpe – Fraunhofer ISE: Wärmepumpen auch im Altbau effizient und klimafreundlich
  2. ADAC – Wärmepumpe: Funktion, Kosten, Förderung
  3. ADAC – Neue Konditionen für die Wärmepumpen-Förderung seit 21. Juli 2026
  4. Verbraucherzentrale – Wärmepumpen im Vergleich: Welche Lösung ist die richtige für mich?
  5. Geologischer Dienst NRW – Oberflächennahe Geothermie
  6. HLNUG – Oberflächennahe Geothermie in Hessen
  7. Bundesverband Wärmepumpe – Kühlen mit der Wärmepumpe
  8. Solarserver – BWP: Wärmepumpen-Absatz um 55 Prozent in 2025 gestiegen

Alle Beträge in diesem Artikel sind Modellrechnungen oder Durchschnittswerte aus den genannten Quellen und keine Zusage für Ihren Einzelfall. Förderbedingungen können sich ändern; maßgeblich sind die zum Zeitpunkt Ihres Antrags gültigen Merkblätter der KfW. Dieser Artikel ersetzt keine Energie-, Steuer- oder Rechtsberatung.

Zuletzt geprüft 24.07.2026Keine Energieberatung im Sinne des GEG